SPAM

Spams sind die klanglosen Echos der Konsumkultur, eine absurde Mutation menschlicher Kommunikation im World Wide Web.

Für Mario Monti, der eines Tages ohne Erinnerung auf Malta erwacht, ist das Netz eine der ersten Quellen auf der Suche nach seiner Identität.

Er ist nicht der gleichnamige italienische Politiker, der im World Wide Web einen enormen virtuellen Fußabdruck hinterlassen hat, sondern Professor für ausgestorbene Sprachen, der einst die Abschlussarbeit einer attraktiven Studentin plagiiert hat.

Seitdem Monti auf eine Spam-Mail reagiert hat, mit der ein Mädchen aus Malaysia in kryptischem Google-Übersetzungsdeutsch fast fünf Millionen Dollar verschenkte, liegt dieses Geld auf Montis PayPal-Konto.

Allerdings will eine malaiische Mafia sich genau dieses Geld wieder holen.

Stück für Stück, Szene für Szene, deren Reihenfolge per Losverfahren bestimmt werden kann, entwirft Rafael Spregelburd eine Welt des Zerfalls.

Die Wirklichkeit, gesehen aus der Perspektive des irrfahrenden Linguistik-Professors, zeigt sich in den Schlaglichtern von Google-Übersetzungsprogrammen, in Spam-Mails, Botschaften per Skype oder Fernsehdokumentationen über degenerierte Puppen aus China.

Spregelburd packt seine düstere Zeitdiagnose in einen fulminanten Monolog für einen Schauspieler.

Die übersetzung ist von Klaus Laabs.

Rafael Spregelburd

Geboren 1970 in Buenos Aires, ist Dramatiker, Regisseur, Übersetzer und einer der wichtigsten Vertreter des zeitgenössischen argentinischen Theaters.

1994 gründete Spregelburd seine eigene Theaterkompanie „El Patrón Vázquez“, mit der er vorwiegend eigene Stücke inszeniert und international tourt.

Er erhielt über vierzig argentinische und internationale Preise, zuletzt 2011 den Argentinischen Nationalpreis für sein Stück „Die Sturheit“ (La terquedad).

Spregelburds Stücke wurden im deutschsprachigen Raum u.a. am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin, an den Münchner Kammerspielen, am Theater Basel, am Staatstheater Stuttgart sowie am Badischen Staatstheater Karlsruhe deutschsprachig aufgeführt.

„Call me God“, eine Gemeinschaftsarbeit mit Marius von Mayenburg, Albert Ostermaier und Gian Maria Cervo, wurde im Herbst 2012 am Bayerischen Staatstheater uraufgeführt.

„Luzid“, das in Argentinien, Frankreich, Peru, Spanien und Italien erfolgreich inszeniert wurde, wird im Frühjahr 2015 als deutsche Erstaufführung an der Schaubühne Berlin produziert werden (Regie: Marius von Mayenburg).

Die Sprechoper „spam“ ist frei zur deutschen Erstaufführung.